Montag, 16. Dezember 2013

Amets txapeldun!

Gestern war nach drei Monaten und insgesamt dreizehn Ausscheidungen letztendlich das Finale der Bertsolari-Meisterschaft gekommen, eines der wichtigsten kulturellen Ereignisse im Baskenland. Im BEC (Bilbao Exhibition Center) in Barakaldo hatten sich ungefähr 15.000 Leute versammelt, um die acht Finalisten zu hören, und für die Tausenden, die keine Karten mehr gekriegt haben, wurde es live im Fernsehen übertragen. Ich hatte aber das Glück, dabei sein zu können ... Ane hatte schon Ende September für uns beide Karten gekauft.
Das Finale ging den ganzen Tag: morgens von 11 bis 14 Uhr und nachmittags weiter von 16 bis 20 Uhr. Die Verse waren unheimlich gut, auf einem wahnsinnig hohen Niveau, und da alle Bertsolari sehr gut waren, ist uns in der Mittagspause die Wette, wer die ersten drei sein werden, nicht leicht gefallen ...
Aber nach acht Aufgaben, die alle acht Finalisten gestellt bekamen, und anschließend vier Aufgaben, in denen die beiden besten gegeneinander angetreten sind (buruz burukoa), stand dann der Sieger fest ... der dreißigjährige Amets Arzallus Antia aus Hendaia, der auch von den meisten als Favorit gehandelt worden war und es zweifellos verdient hat! Zorionak, Amets, herzlichen Glückwunsch!

Der Sieger beim Abschied ... er grüßt die Gefangenen und die Kinder in den
nordbaskischen Bertsoschulen, bedankt sich bei seiner (Ex?-)Freundin und
seinen beiden Schwestern und widmet die Siegermütze seiner Mutter, weil er
es ihr zu verdanken hat, Baskisch zu können.
(Die Baskenmütze (= txapel) für den Sieger ist im Baskenland bei allen Arten von Meisterschaften üblich. Daher auch txapeldun (wörtlich "Baskenmütze tragend") = SiegerIn, MeisterIn und txapelketa = Meisterschaft)

Weil so viele so gute, mal bewegende mal lustige, Verse dabei waren und es daher kaum möglich ist, sich für einen zu entscheiden, hab ich mich mal auf die des Siegers beschränkt und letztendlich sein erstes kartzelako ausgewählt.
Thema: Die Situation hat dich auf die andere Seite versetzt.

Weil der erste Vers ziemlich kompliziert zu übersetzen ist, fass ich ihn aus Faulheit einfach zusammen: Das lyrische Ich ist bei der Guardia Civil (der spanischen paramilitärischen Polizei) und in Donostia stationiert, in einer Kaserne, die bekannt dafür ist, dass dort gefoltert wird.
Die anderen beiden Verse aber vollständig: 

Meinen Namen hassen 
ich weiß nicht, wie viele Familien 
Es wird im Baskenland keinen Jungen geben, 
den ich nicht gesehen habe 
Ich fragte sie: "Du hast nicht etwa 
schon mal einen Guardia Civil umgebracht? 
Und wenn ja, was hast du dabei gefühlt 
einen Kollegen von mir zu töten? 
Solange, bis du diese Fragen beantwortet hast,
wirst du hier aufgehängt bleiben!"
Aber sie schlossen die Augen 
und schwiegen.

Aber jetzt ist eine neue Zeit angebrochen
der Krieg ist wohl zu Ende 
Auf mich warten Geschworene
und Gerichtssäle 
Sie befragen mich schon seit zwei Stunden 
über dieses und jenes 
und jetzt bin ich es, der schweigt
so wie damals diese Jungen
Mir droht eine lange Zeit im Dunkeln
ein Gefängnis in einem Loch 
aber ich kann hoffen, dass der Präsident 
mich begnadigen wird.

Hier anzuhören (wer wenig Sinn darin sieht, in der Zeit, die der Gute nachdenkt, die Analyse von Aitzol Barandiaran und Josu Goikoetxea anzuhören, der spule vor bis ungefähr zur dritten Minute, da fängt er an ;) ) ... und ich rate euch, hört es euch an, weil einen Vers von Amets Arzallus nur zu lesen einfach nur die Hälfte ist.

Wenn ich Zeit hab, übersetz ich in den nächsten Tagen noch ein paar mehr, es gibt nämlich viele, die es verdient hätten ...

Dienstag, 10. Dezember 2013

Ikurriñaren aldeko herri ekimena - Impressionen

Es ist vorgeschrieben, dass an Rathäusern im Spanischen Staat die spanische Fahne hängen muss. Viele baskische Orte machen da allerdings nicht mit und hängen nur die Ikurriña, die baskische Fahne, raus ... was so lange gut geht, bis es jemand nicht Wohlgesonnenes entdeckt und anzeigt. Auch Oiartzun hat vor zwei Jahren eine Verwarnung gekriegt und muss, nachdem dem Einspruch der Stadt nicht stattgegeben wurde, jetzt bis zum 25. Januar am Rathaus die spanische Fahne (hier wegen ihrer Farben auch spöttisch piperpoto, "Paprikakonserve", genannt) hängen haben. Jetzt machen sich die Leute natürlich Gedanken, wie man da am besten tricksen kann, ob man zum Beispiel die Fahne einfach an irgendein verstecktes Seitenfenster hängen kann. Eine weitere, sehr schöne Idee, die wohl in Bergara (ich glaube zumindest, dass es Bergara war) schon umgesetzt wurde, ist, die Fahnen von allen Ländern, aus denen die Einwohner von Oiartzun kommen, ans Rathaus zu hängen, wo die spanische dann von alleine dabei wäre.
Jetzt gibt es als Protest erst mal die Ikurriñaren aldeko herri ekimen, die Bürgeraktion für die Ikurriña. Die Einwohner sind aufgefordert, die Ikurriña an ihre Balkone oder Fenster zu hängen. Die Beteiligung ist nicht zu verachten, egal wo man hingeht, sieht man jeden Tag mehr neue Ikurriña (und zwar wirklich nagelneu gekaufte, wodurch sie ziemlich rausstechen, was gerade in der Masse ganz lustig ist ;)). Ich hab am Dienstag und am Donnerstag mal alle, denen ich auf dem Weg zum Einkaufen begegnet bin, fotografiert.

Unsere (Fahne) ist die Ikurriña!
Auf der weißen Fahne mit dem schwarzen Symbol übrigens, die auf den Fotos auch mehrmals auftaucht, steht die Forderung Baskische Gefangene und Flüchtlinge nach Hause.

Samstag, 7. Dezember 2013

Motibazio saioak und Interview

Am Dienstag war der internationale Tag der baskischen Sprache und aus diesem Anlass haben die SchülerInnen der öffentlichen Schule (in Oiartzun gibt es zwei Schulen: Elizalde, die öffentliche, und Haurtzaro, die Ikastola*) in ihrem Schulradio eine Spezialsendung gemacht und Teil davon (der krönende Abschluss^^) war ein Interview mit mir.
Bakartxo, deren Mann dort Lehrer ist, hat mich morgens in die Klasse von Beñat und Eider, die das Interview machen sollten, gebracht (LH4, also vierte Klasse, suuupersüß), dort saß ich dann ein bisschen dabei, während der Lehrer mit der Klasse noch mal alle ihre Beiträge durchgesprochen hat, bis Aingeru, Bakartxos Mann, vorbeikam und mich in seine sechste Klasse mitgenommen hat. Die hatten grade Baskisch und haben der Reihe nach die Verse, die sie als Hausaufgabe oder so gedichtet hatten, vorgesungen (einer hatte es nicht so ganz mit den Reimen und einer hat gemeint, es wäre kein poto, wenn er für "ich bin" einmal die Dialektform naz und einmal das hochbaskische naiz als Reimwort verwendet, aber sonst waren alle ganz ordentlich, einige sogar richtig gut), bis die Radiosendung angefangen hat, die wir dann natürlich alle gehört haben. Es wurde die Geschichte des Tags erzählt, die Kindergartengruppe der Fünfjährigen, sowie ein paar Zweitklässler haben Gedichte aufgesagt, es gab Rätsel und ein kurzes Hörspiel von den Viertklässlern, dazwischen Musik und am Schluss das Interview mit mir, wozu Aingeru mich runter in das kleine Radiozimmer gebracht hat. Das Interview ging recht schnell, die Fragen hatte ich auch schon vorher gekannt, aber Aingeru und die Lehrerin der Viertklässler haben sich überschwänglich bei mir bedankt.

Montag, Mittwoch und Donnerstag hab ich mit Nagore in DBH3 und DBH4, also neunter und zehnter Klasse, in der Ikastola motibazio saioak gehabt. Das sind drei Stunden pro Klasse, in denen die Jugendlichen zum Nachdenken über die Situation der baskischen Sprache und ihre eigenen Sprachgewohnheiten angeregt werden sollen.
In der ersten Stunde sollten sie als erstes nacheinander jede(r) die Person neben sich vorstellen: den Namen und eine Information, die mit Baskisch zu tun hat ... was meistens auf "er/ sie redet immer Baskisch" rausgelaufen ist.
Bei den Neuntklässlern hat Nagore danach ein bisschen von Ttur-ttur erzählt, dann sollten sie definieren, was Sprache ist. Danach hat Nagore Daten zum Thema Sprachen vorgelegt: Es gibt auf der Welt ungefähr 7.000 Sprachen, von denen nur 400 eine Million Sprecher oder mehr haben (und Baskisch ist eine davon). 2.000 werden nicht mehr weitergegeben, die Hälfte wird laut Prognosen in den nächsten fünzig Jahren verschwinden, bis zum Ende des Jahrhunderts sogar 95%. Die acht größten Sprachen sind (in dieser Reihenfolge) Chinesisch, Hindi, Englisch, Spanisch, Französisch, Arabisch, Russisch und Portugiesisch.
Bei den Zehntklässlern, die das alles ja letztes Jahr so ungefähr schon mal gehört haben sollten, haben wir das ganze als Wettbewerb gemacht.
Dann haben wir in beiden Klassenstufen mit den Jugendlichen noch ein bisschen darüber geredet, wie sie so die Situation ihrer Sprache sehen.

Das zweite Mal mit den Zehntklässlern hab ich nicht mitgekriegt, weil ich da das Interview hatte, aber den Neuntklässlern wurde eine Powerpointpräsentation gezeigt mit Grafiken zur Verbreitung des Baskischen in der Antike und seither und zu den Dialekten, sowie Statistiken zu Kenntnis und Verwendung der Sprache heute und die Daten von Oiartzun. Dann haben wir mit ihnen noch ausführlich über diese Informationen geredet.
Ein Auszug aus diesem Gespräch (ich hab das nur in einer Klasse mitgekriegt, die anderen beiden waren auch am Dienstag dran gewesen):
Nagore: "Aber hier in Oiartzun hört ihr auch Leute Spanisch reden, oder?"
Schüler: "Ja, schon ... Omas oft ..."
Nagore: "Und warum glaubt ihr ist das so?"
Schüler: "Die gucken zu viel Sálvame." (spanische Boulevardfernsehsendung)
Nagore: "Und Jugendliche so in eurem Alter, reden da auch welche Spanisch untereinander?"
Schüler: "Ja, die von Elizalde." (der öffentlichen Schule)
anderer Schüler: "Aber nur die Mädchen, die Jungs nicht."
Schülerin: "Nein, Mädchen und Jungs gleich!"

Beim dritten Mal haben die Neuntklässler zuerst aufgeschrieben, was sie alles schon für ihre Sprache tun, und dann, was sie noch zu tun bereit sind. Letzteres wurde dann auf ein Plakat geschrieben und die SchülerInnen haben alle unterschrieben und sich so verpflichtet, das alles einzuhalten. Ein paar Beispiele für die Verpflichtungen:
- Das erste Wort immer auf Baskisch
- Mit Leuten, die Baskisch können, immer Baskisch sprechen
- Baskischsprachige, die untereinander Spanisch reden, dazu bewegen, Baskisch zu reden
- Die, die es nicht können, dazu animieren, es zu lernen
- Denen, die Baskisch lernen, helfen
- Computer, Handy und soziale Netzwerke auf Baskisch haben
- Auf Demos für die baskische Sprache gehen

Die Zehntklässler haben beim dritten Mal die Aufgabe bekommen, in Gruppen mit jeweils einem bestimmten Budget sich je eine oder mehrere Aktionen für die baskische Sprache zu überlegen und zu planen.
Und zum Schluss kam bei allen noch mein Part: In der ersten Stunde hatten alle Fragen, die sie an mich haben, gestellt und Nagore hatte sie aufgeschrieben und mir mitgegeben, damit ich mir in Ruhe die Antworten überlegen kann, und in der letzten Stunde hab ich sie dann alle beantwortet ... fünfmal hintereinander das Gleiche zu erzählen, ohne anzufangen alles runterzuleiern, ist nicht leicht, aber ich hab mich bemüht ;)

Nächste Woche machen wir dann die motibazio saio in der öffentlichen Schule, mal sehen, wie das läuft ...


*Die Ikastola sind während des Franquismus entstanden, als die baskische Sprache verboten war. Ihr Ziel war es, den Kindern baskischen Unterricht zu bieten und die baskische Kultur zu vermitteln, und sie mussten daher anfangs mehr oder weniger im Untergrund arbeiten. Sie sind immer Modell D, unterrichten also alle Fächer auf Baskisch, und wie Kooperativen organisiert: Eltern, Lehrer und alle anderen, die an der Schule arbeiten, entscheiden gemeinsam. Auch wenn es heute in der Autonomen Baskischen Gemeinschaft auch viele öffentliche Schulen im Modell D gibt, fördern immer noch die Ikastola die baskische Sprache und Kultur am meisten, und im Nordbaskenland und großen Teilen Nafarroas sind sie immer noch die einzigen Schulen, die Unterricht auf Baskisch anbieten.

Dienstag, 26. November 2013

Vorbereitungen für den Txerri Egun

Am 14. Dezember findet der jährliche Txerri Egun statt, ein vorweihnachtliches Fest mit Kunsthandwerkermarkt. Das ganze wird in erster Linie von Ttur-ttur organisiert und dieses Jahr bin ich ein bisschen die Koordinatorin (so hat mich zumindest Ane tituliert, sie ist dann wohl die Chefkoordinatorin^^). Meine Hauptaufgabe besteht jetzt darin, mich um die Anmeldungen der Kunsthandwerker zu kümmern. Die haben schon Ende Oktober angefangen anzurufen, um sich anzumelden, und die erste Arbeit war deswegen Anfang November, alle, die schon angerufen hatten mit allen Informationen, die sie dagelassen hatten, in eine Tabelle einzutragen. Dann haben Ane und ich das Infoschreiben und die Teilnahmebedingungen von letztem Jahr für dieses Jahr überarbeitet, eine eigene E-Mailadresse eingerichtet und denen, die eine Mailadresse angegeben hatten, Infobrief und Teilnahmebedingungen geschickt. Die, von denen wir nur die Telefonnummer hatten, hab ich dann in der Tabelle rot markiert und Ane hat sie angerufen und gefragt, ob sie eine E-Mailadresse haben oder wir ihnen die Sachen per Post schicken müssen.
Um sich fest anzumelden, müssen die Kunsthandwerker jetzt eine fitxa ausfüllen ... sicherlich gibt es dafür ein deutsches Wort, aber es fällt mir beim besten Willen nicht ein, außerdem ist denke ich, es ist ersichtlich, was gemeint ist, also fitxa. Jedenfalls müssen sie dort ankreuzen, dass sie die Bedingungen akzeptieren, und eine Tabelle mit Angaben wie Name, Adresse, Produkt, ob ihnen der Tisch für ihren Stand von uns zur Verfügung gestellt werden soll, und so weiter ausfüllen. Diese fitxa schicken sie dann zurück, ich speicher sie und trage die Daten in eine Tabelle ein. Organisationen aus Oiartzun haben ersten Vorrang und werden deshalb grün markiert, Kunsthandwerker aus Oiartzun haben zweiten Vorrang und werden gelb markiert ... es gibt nämlich nicht genug Platz für alle, die sich anmelden (wir sind jetzt schon bei 52 Anmeldungen).
Zusätzlich melden sich immer noch weitere Kunsthandwerker und Organisationen, denen das Bedingungsblatt geschickt werden muss, und der ein oder andere braucht auch das zweisprachige mit Spanisch (waren aber bis jetzt nur zwei oder drei) ...
Zum Goßteil ist das eine Arbeit, die sehr schnell zur Routine wird, allerdings ist es interessant, was für Produkte die Kunsthandwerker so anzubieten haben, vor allem, wenn sie noch genauere Informationen oder Fotos schicken ... Und dann gibt es natürlich auch immer wieder Probleme zu lösen:

Von einer hatten wir weder E-Mailadresse noch Telefonnummer, auf dem Zettel stand, sie würde sonst auch immer teilnehmen und wir müssten ihre Daten deshalb haben. In der Liste von 2012 war sie nur dummerweise nicht, und auch in den anderen hat Ane sie nicht gefunden. Bakartxo hat gemeint: "Ich glaub, ich weiß, wer das ist, und es ist besser, wenn die nicht kommt.", hat aber trotzdem in den Akten gesucht und sie schließlich, mit einigem Bedauern, gefunden.
Ich kann mir inzwischen vorstellen, warum es besser gewesen sein könnte, wenn sie nicht kommen würde ... mein E-Mail-Gespräch mit ihr sah ungefähr so aus: Ich schicke ihr den Infobrief und das Word-Dokument mit den Bedingungen und der fitxa. Sie schreibt (ohne Punkt und Komma und grad so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist), wer sie ist, ob sie auch zwei Tische haben kann (obwohl in den Bedingungen klar und deutlich steht, ein Kunsthandwerker, ein Tisch) und dass sie es nicht hinkriegen würde, die fitxa auszufüllen. Ich frage mich, wie man es anstellen kann, das nicht zu schaffen, du musst schließlich nur in die Tabelle klicken, um zu sehen, dass du da tatsächlich schreiben kannst, antworte ihr aber, dass das kein Problem ist und sie die erforderlichen Angaben und dass sie die Bedingungen akzeptiert auch einfach per Mail schreiben kann und ich dann das Blatt für sie ausfülle. Sie schreibt mir, dass sie die Bedingungen akzeptiert und die Hälfte der Angaben. Ich schreibe zurück, dass das und das noch fehlt. Sie schreibt mir den Großteil von dem, was noch fehlt, und mir ist es zu blöd, noch mal nachzufragen.

Die Einzige war sie allerdings nicht, die es nicht geschafft hat, das Dokument auszufüllen ... ein anderer meinte, sie würden es die ganze Zeit versuchen, aber "wenn dir Ponys abhauen, die wieder einzufangen ist einfacher als das". Also wieder lasai, kein Problem, schreiben Sie uns die Angaben einfach per Mail, wir füllen die fitxa dann aus ...

Wieder eine andere schreibt, dass sie das Dokument nicht öffnen kann, weil sie kein Word hat. Ich überlege also, dass ich es ihr am besten als pdf schicke, sodass sie es wenigstens lesen kann und mir dann in der Mail die Angaben schreiben. Das Notebook, an dem ich arbeite, hat aber offenbar keinen pdfCreator ... also den erst mal runterladen (was dauert) ... dann erscheint der trotzdem nicht in der Liste der Drucker bei Word ... ich les also die Hilfe und erfahre, dass man auch umgekehrt das Worddokument mit dem pdfCreator öffnen kann, tu das, hab endlich mein pdf, schreibe der Kunsthandwerkerin, dass ich hoffe, dass sie es als pdf jetzt öffnen kann, und welche Angaben mir noch fehlen. Sie antwortet, dass sie es immer noch nicht öffnen könnte, sagt aber, dass sie die Bedingungen akzeptiert und gibt die erforderlichen Daten so präzise an, dass ich den Eindruck habe, dass sie es doch hat lesen können müssen ...

Mosaik der Postits mit den Kontaktdaten

PS: Für die, dies noch nicht mitgekriegt haben, es gibt jetzt rechts im Blog eine Playlist mit baskischer Musik ... lohnt sich, mal reinzuhören, ist bestimmt für jeden was dabei ;)

Dienstag, 5. November 2013

Mein wundervoller Geburtstag in der Fremde


Die Vorstellung, meinen Geburtstag nicht daheim mit Familie und Freundinnen feiern zu können, hat mich schon ein bisschen traurig gestimmt und ich muss sagen, dass ich auch nicht allzuviel erwartet habe von diesem Geburtstag ... dann ist mein 19. Geburtstag halt nicht so besonders, hab ich gedacht, dafür die nächsten wieder.
Aber tatsächlich war es dann einer meiner besten Geburtstage bis jetzt, wenn nicht überhaupt der beste!

Als ich morgens ins Büro kam, wurde mir gleich "Zorionak zuri", "Zum Geburtstag viel Glück" gesungen ... so weit so gut. Aber dann gegen halb zwölf hat Ane mich gebeten, mit ins Konferenzzimmer zu kommen und zu helfen, die Tische umzustellen ... Und dort erwartete mich dann ein Kuchen mit neunzehn brennenden Kerzen, Chips, Cola, mit gebratener Paprika und Pilzen belegte Brote, zwei Geschenke und eine Girlande aus den Buchstaben von "Alles Gute, Silvie", mitsamt zwei Bildern, die mir Axuns beide Kinder Intza und Iker gemalt hatten. Während ich die Kerzen ausgeblasen habe (für die letzte, hartnäckige hab ich mindestens fünf Versuche gebraucht ...), haben Axun, Bakartxo, Ane, Yurima und Saioa noch mal Zorionak zuri gesungen. Als ich die Geschenke ausgepackt hatte (das Buch Amaren eskuak von Karmele Jaio und ein T-Shirt mit der Aufschrift euskaraz bizi nahi dut, "ich will auf Baskisch leben" ("unsere Uniform", wie Axun es genannt hat)) und wir grade am Futtern waren, kam dann noch, perfekt getimet, das Paket von meiner Familie, das unter anderem einen Kalten Hund enthalten hat - Kuchen Nummer zwei.
Nach ausführlichem hamaiketako (vormittägliche kleine Mahlzeit) und einer langen Fotosession wieder unten im Büro haben prompt die drei vom Radio angerufen, um mir live im Radio zu gratulieren. Ich hab dann noch die ganzen Glückwünsche bei Facebook gelesen und beantwortet, bis Ane mich um kurz vor zwei heimgefahren hat (weil es in Strömen geregnet hat und ich schlecht gleichzeitig das Paket und einen Regenschirm hätte tragen können).
Zu Hause hat mir mein Mitbewohner noch mal gratuliert (er hatte mir am Abend schon mal gratuliert gehabt) und später, als sie gekommen ist, auch meine Mitbewohnerin (die vor zwölf ins Bett gegangen war und deshalb nur "Bald herzlichen Glückwunsch" hatte sagen können xD) und ich habe ausführlich mit meiner Mutter und meiner Schwester geskypet, bis ich um sechs Kurs hatte.
Im Kurs hing noch die Girlande hinten im Raum, deshalb wurde mir da auch von allen gratuliert - auch wenn sie dann doch nicht, wie Saioa eigentlich angekündigt hatte, am Schluss Zum Geburtstag viel Glück auf Deutsch gesungen haben :D Der Kurs war überhaupt besonders amüsant gestern ...
Am Schluss hat Saioa auch noch einen Kuchen (Nummer drei) gebracht, den wir allerdings nicht ganz geschafft haben, deswegen haben Saioa und ich den Rest dem EGA-Kurs (meinem Mittwochskurs ... aber ich glaub davon hab ich noch gar nicht erzählt ...) vorbeigebracht.
Ane hat, wie verabredet, schon auf mich gewartet, um noch etwas trinken zu gehen. Wer sonst noch dabei sein würde, wusste ich nicht, ich hatte mit ein paar Leuten gerechnet, aber tatsächlich waren da dann Alazne, Aitzol, Aiora, Haizea, Mirari, beide Beñats und Ioritz ... also wohl die Mehrheit der Leute, die ich hier überhaupt kenne!
Wir saßen dann von ungefähr acht bis ungefähr halb zehn zusammen ... und als ich dann zu Hause war, war ich immer noch so satt von dem ganze Kuchen, dass ich zum "Abendessen" nur eine Mandarine gegessen hab.
Ungefähr eine Viertelstunde später kam Alaia heim, hat noch abendgegessen, und dann sind Asier und sie in die Küche verschwunden und kamen wieder mit ... einem Kuchen (Nummer vier). Und Kerzen und einem Geschenk. Die Kerzen hab ich ausgeblasen, das Geschenk mir angeguckt, aber von dem Kuchen hat an diesem Abend niemand mehr gegessen^^ Dann hat Alaia noch versucht, mit ihrem Handy ein Foto von uns drei, dem Kuchen und den Geschenken zu machen, was irgendwann doch zu einem halbwegs zufriedenstellenden Ergebnis geführt hat, und dann kam Goenkale (die beliebteste Fernsehserie hier) ...

das vorbereitete Konferenzzimmer
die Geschenke von den "Kolleginnen" und der Familie
die Geschenke von den Mitbewohnern (in der Schachtel sind noch eine
Duftkerze und Bonbons)
... mit Vers von Alaia und allem
und die ganzen Kuchen, mit denen wir jetzt erst mal für die nächsten Tage
versorgt sind :D

Freitag, 1. November 2013

Bertsolaritza II

Weil es darüber noch viel mehr zu erzählen gibt, als ich in meinem ersten Eintrag über die Bertsolaritza geschrieben habe, habe ich beschlossen, einen zweiten Eintrag zu dem Thema zu schreiben, diesmal ausführlicher.

Wie ich im Eintrag vorher schon erwähnt habe, war ich am vorletzten Samstag mit drei Bertsolari mittagessen und habe dabei (weil die drei tatsächlich über fast nichts anderes geredet haben ... wahrscheinlich kein Wunder, wenn grad zwei bei der Meisterschaft dabei sind) sehr viele Anekdoten und Insiderinfos mitgekriegt :D Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass Agin Laburu (der mit der bis jetzt höchsten Punktzahl) wohl bei jeder Meisterschaft irgendwie verletzt ist (jetzt hat er sich grad das Bein gebrochen) ...

Wie ich ja schon geschrieben hab, müssen sich innerhalb von einem Vers alle Reimwörter aufeinander reimen und nicht nur zwei ... und wenn sich ein Reimwort in der gleichen Bedeutung wiederholt, nennt man das poto und es ist ein ziemlich schwerer Fehler. Was sich aufeinander reimt ist dabei allerdings nicht ganz so streng, wie man es im Deutschen kennt. Die Übereinstimmung der Vokale ist wichtiger als die der Konsonanten, zum Beispiel kann man ziegan ("im Kerker") ohne weiteres auf diedan ("ob ich es ihnen habe") reimen ... was sogar ein schöner Reim ist, weil nicht nur zwei, sondern gleich drei Vokale übereinstimmen. Das ist mindestens genauso viel wert wie so ein "klassischer Reim" wie aldatu ("ändern") - aipatu ("erwähnen").
Weil man also immer allermindestens vier Wörter braucht, die sich alle aufeinander reimen (und das nicht zuletzt spontan auf die Reihe kriegen muss), legen Bertsolari (Alaia zumindest, aber ich gehe davon aus, dass andere es genauso machen) Listen an mit Wörtern, die sich alle aufeinander reimen, und lernen die ein bisschen. Am Freitagabend vorletzte Woche haben Asier und ich Alaia geholfen, ein paar zu sammeln, zum Beispiel welche, die auf -eia enden. Asier hat dann geschummelt und in online-Wörterbüchern nach der Endung gesucht ... was allerdings gar nicht sehr erfolgreich war, weil erstens Wörter, die mit h dazwischen (-ehia) geschrieben werden, natürlich nicht aufgetaucht sind, genauso wenig wie die, die mit -e(h)i aufhören und nur durch den bestimmten Artikel noch ein -a hintendran kriegen ... aber ein sehr schönes Wort wurde uns dabei trotzdem vorgeschlagen: Cassiopeia. Asier und ich finden, dass Alaia das unbedingt mal verwenden muss xD Später kam Asier dann noch mit Wörtern an, die Alaia als "freakig" bezeichnet hat ... und deswegen lieber nicht aufgeschrieben: "Wenn du so ein Wort verwendest, achten die Leute nur dadrauf und ob es das Wort wirklich gibt, und nicht auf das, was du sonst noch sagst ... außerdem musst du so ein Wort später auch im Kopf haben!"

Häufig ist das Versmaß (neurri) vorgegeben. Das Versmaß legt fest, wie viele Silben eine Zeile hat, aber auch, wie viele Zeilen ein Vers.
Was normalerweise nicht vorgegeben ist, ist die Melodie (doinu). Es gibt zahlreiche Melodien, die üblicherweise in der Bertsolaritza verwendet werden, aber theoretisch kann man jede beliebige, die mit dem Versmaß zusammenpasst, nehmen. Die meiner Meinung nach schönste Melodie (die Alaia auch gerade vorhat zu üben) ist die von Martxa baten lehen notak von Mikel Laboa:


Im ersten Eintrag hab ich ja schon genau über die Aufgabenstellungen bei der ersten Ausscheidung berichtet. Allgemein sind mögliche Aufgabenstellungen:
Alleine zu einem gegebenen Thema (häufigste Form davon in Meisterschaften die kartzelako lan)
Zu mehreren sich nach jedem Vers abwechselnd zu einem gegebenen Thema, normalerweise jeder in einer Rolle (ofizioak wird das genannt, "Berufe")
Puntutan, zu mehreren immer abwechselnd zwei Zeilen (also mit immer jeweils einem Reimwort) zu einem gegebenen Thema
Die ersten zwei Zeilen gegeben weiterdichten
Die Reimwörter gegeben einen sinnvollen Vers verfassen
Zu einem Wort, einem Bild, einem Gegenstand ... einen oder mehrere Verse dichten

Und um euch noch eine bessere Vorstellung zu geben, hab ich hier zwei kartzelako lan, über die viel gersprochen wurde, übersetzt. Ich mag die kartzelako (bei denen jeder Bertsolari allein drei Verse dichten muss) meistens am liebsten, weil in ihnen richtig Geschichten erzählt werden können (während die Aufgaben zu zweit ja eher Dialoge sind).
Also, hier ist zuerst die von Beñat Gaztelumendi, der eine wahnsinnig hohe Punktzahl (die zweithöchste bis jetzt) erreicht hat und ein sehr guter Freund von Alaia ist:
Thema: Jedes Mal, wenn du das Thema ansprichst, wechselt er/sie das Thema. 

Den Salat auf dem Tisch/ haben wir eine halbe Stunde lang verzehrt/ uns an alles erinnert/ was uns den Tag über passiert ist/ tausend Geschichten von Freunden/ und tausend Daten von der Arbeit/ weil in einer zweijährigen Beziehung/ das der Umgang ist./ Ich habe meine Augen/ auf ihre erloschenen Augen geheftet/ und habe sie gefragt:/ „Was ist los? Erzähl …“/ Als wäre nichts passiert/ so hat sie das Thema gewechselt/ aber warum kann sie mir nicht/ in die Augen sehen?

Als wir uns kennen gelernt haben/ wie viele Hätscheleien? Wie viele Aufmerksamkeiten?/ Jeden Morgen sind wir/ einander zulächelnd aufgewacht/ die Tage bappsüß:/ „Ich liebe dich, du liebst mich.“/ Aber haben wir vielleicht angefangen/ uns Schritt für Schritt voneinander zu entfernen?/ Heute sind alles oberflächliche Themen/ und unfruchtbare Gespräche./ Ich weiß sehr wohl,/ irgendetwas hat dich gestört./ „Was hast du?“ habe ich gefragt und/ du hast geschwiegen/ du hast mir nichts gesagt/ und hast mir alles gesagt.

Sie hat das Augenpaar in Tränen/ weit offen, voll/ und auf einen Schlag explodiert ihr/ die Last von allem, was sie nicht sagen kann./ Ein Angriff von bitteren Tränen/ die ihr übers Gesicht laufen./ „Es geht mir nicht gut“, sagt sie mir/ und die Stimmung beruhigt sich./ „Ich weiß nicht, Liebling;/ was willst du, dass ich sage?“/ Ich antworte ihr:/ „Die Tür ist offen/ nimm dir ruhig/ alle Zeit, die du brauchst, Liebling;/ das Einzige, was du mir schuldest ist/ glücklich zu sein.“

(Hier das Video)

Und zweitens die von Amaia Agirre, in der sie weitgehend erzählt, was ihr tatsächlich passiert ist, und bei der viel diskutiert wurde, inwieweit sie beim Thema geblieben ist und inwieweit sie die Verse schon vorbereitet hatte*:
Thema: Du hast alles erreicht, was du erreichen konntest. Trotzdem respektieren dich die Leute nicht besonders. 

Alleine können wir kein Kind bekommen/ weil wir zwei Frauen sind/ und eine künstliche Befruchtung verdeckt/ unser Unvermögen/ und eine Mehrlingsschwangerschaft/ hat uns den Frieden geraubt./ Fünf Embryos, fünf Stücke Leben/ die zu Menschen werden wollen./ Mit fünf geht es nicht und/ auch wenn, dass wir drei entfernen/ wir beide beschlossen haben/ wer das nie durchgemacht hat/ weiß nicht, wie hart es ist.

Manche werden sagen: „Amaia/ was für ein mutiges Mädchen.“/ Ich will Mutter werden, aber/ die Männer beiseite gelassen./ Ja, wir sind schwanger, das ist wahr/ was für ein herausragender guter Traum/ hol ruhig das Transparent raus/ heb die Hände in die Luft!/ Aber zu Hause habe ich ein Problem/ und ich kann es nicht ertragen./ Der Traum erfüllt, aber die Wertschätzung/ von Vater und Mutter fehlt./ Ich habe ein Kind, aber die Wertschätzung/ von Vater und Mutter fehlt.

Nachdem wir von dem schlechten Wein/ tausend Schlucke, die Essig waren, genommen haben/ habe ich im Freundeskreis Unterstützung und/ meine Freundin als Schutz/ aber wenn ich meine Eltern bei mir hätte/ wäre mir das lieber./ Ich bin nicht ganz am Boden zerstört/ ich werde Mutter und damit basta!/ Ich werde nicht respektiert, aber/ ich bin bereit zu kämpfen/ damit sie in uns zuerst zwei Herzen sehen/ und nicht zwei Frauen.

(Hier das Video)

*In einem Interview, das Bakartxo im Radio gehört hat, hat sie wohl gesagt, dass sie tatsächlich die Absicht gehabt hatte, über dieses Thema zu sprechen, wenn sich ihr irgendwie die Möglichkeit bieten würde, und dass sie sich auch schon ein bisschen Reime zurecht gelegt hatte ... und dass sie in Wirklichkeit die volle Unterstützung ihrer Eltern hat (die werden sich auch bedankt haben ...)


Und seit die letzte Ausscheidung am Samstag stattgefunden hat, wissen wir jetzt auch, wer in welchem Halbfinale ist ... Und meine Mitbewohnerin hat es als dritte nach Punkten (die Sieger von jeder Ausscheidung sind direkt in je ein Halbfinale gekommen und die restlichen zwölf Besten sind nach ihrer Punktzahl verteilt worden) geschafft, tatsächlich in genau dem Halbfinale zu landen, das hier in Oiartzun stattfindet!

Sonntag, 20. Oktober 2013

Mal wieder ein kleiner Zwischenbericht

Hab jetzt schon eine Weile nichts mehr geschrieben und wurde von ein paar Leute darauf hingewiesen ;), also berichte ich mal ein bisschen.
Heute ist es zwei Jahre her, dass die ETA ihren bewaffneten Kampf für immer beendet hat ... Und was hat sich seither getan? Die verhafteten Mitglieder der zivilen Organisation Herrira, die gerade de facto verboten wurde, wurden nicht gefoltert, nicht mal in Incomunicado-Haft (ohne Kontakt zur Außenwelt, also unter anderem zu deiner Familie und einem Anwalt deiner Wahl) gebracht, und gegen Kaution wieder freigelassen, und die Zahl der politischen Gefangenen dürfte etwa von 650 auf 600 gesunken sein. Ta listo, das wars. Hätte man das damals vor zwei Jahren gewusst ...

So, aber jetzt zum eigentlichen Bericht.

Ich hab jetzt seit zwei Wochen zweimal die Woche Kurs, darüber schreib ich aber einen eigenen Artikel.

Außerdem hat vor zwei Wochen Kuadrillategi angefangen. Das ist ein Freizeitangebot für Siebt- und Achtklässler, jeden Freitag von sieben bis halb zehn. Die Jugendlichen (wobei ich sie eher noch Kinder nennen würde) überlegen sich, wie sie diese Treffen gestalten wollen (Fußballturnier, Ausflüge, Konzerte, Pizzawettbewerb ...), und müssen sich dann selbst darum kümmern, das zu organisieren, mit Hilfe der Betreuer. Zusätzlich ist das Projekt dazu gedacht, den Gebrauch von Baskisch in den Cliquen zu fördern, wobei das nicht so ganz im Vordergrund steht und bei denen, die jetzt dabei sind, auch eher überflüssig ist, weil sie eh Baskisch miteinander reden ...
Dieses Schuljahr sind es etwa 80 Teilnehmer ... und man kann sich ja vorstellen, wie das abläuft, wenn 80 zwölf- bis dreizehnjährige Teenies zusammenkommen. Wenn es länger als eine halbe Minute so weit ruhig ist, dass man etwas sagen kann, hat man schon Glück. Deshalb haben wir sie auch aufgeteilt in siebte und achte Klasse und diese beiden Gruppen noch mal in zwei beziehungsweise drei kleinere Gruppen, aber sogar in diesen Gruppe ist es nicht einfach ... Ich bin ja zum Glück nur so dabei, aber für die Betreuer ist es schon super anstrengend (obwohl Aitzol, bei dem ich am Freitag in der Gruppe war, unheimlich gut mit den Kindern umgehen kann).
Und zum Teil sind sie schon lustig: für zwei Jungs, die den Ball, der im Kreis rumgehen sollte, aus dem Kreis rausgeworfen haben, sollten sie sich eine Strafe ausdenken und haben sich dann überlegt: entweder müssen die beiden sich küssen oder fünfzig Runden um den Spielplatz rennen. Und die zwei entscheiden sich natürlich sofort für die fünfzig Runden ... Aitzol, Iraia und ich haben sie nur ausgelacht :D
Oder auch als sie sich einen Namen für ihre jeweilige Kleingruppe ausdenken sollten ... der beliebteste Vorschlag in Aitzols Gruppe war Ixo, hits egiten ari nais ("Ruhe, ich rede grad" mit spanischem Akzent), was wohl irgendein Lehrer immer sagt. Weil man so aber ja eine Gruppe nicht nennen kann, heißt sie jetzt letzendlich Zkx (x spricht man sch aus). Iraias Gruppe trägt, nachdem ihre Leute zuerst wohl nur Namen von Kleidermarken vorgeschlagen haben, jetzt letztendlich den Namen Chip Cool (womit wohl "coole Chips" gemeint ist ... auch wenn es grammatikalisch etwas holpert ;) ).
Ich bin jetzt am überlegen, ob ich nächste Woche zu Alazne, Olatz und Irati mit den Siebtklässlern geh, weil da ein paar unglaublich süße dabei sind, oder lieber bei den Achtklässlern bleiben soll, um sie besser kennen zu lernen ...

Bis ich dann daheim war, wars also schon nach zehn ... dann hab ich noch abengegessen, mit den Mitbewohnern ferngesehen und Asier und ich haben Alaia geholfen, Reimwörter zu sammeln ... aber dazu schreib ich auch in einem anderen Eintrag mehr ;)

Am Samstagmittag bin ich spontan mit Alaia nach Orereta (die Nachbarstadt) gefahren, wo ihr Bruder und ein Freund von beiden, der auch Bertsolari ist, einen Auftritt auf dem Bauernmarkt hatten, und hab dann mit den drei mittaggegessen ... und zahlreiche Anekdoten aus der Welt der Bertsolari mitgekriegt ;)
Am Nachmittag war ein Rennen für Kinder unter dem Motto "Euskaraz bizi nahi dut", "Ich will auf Baskisch leben", wo ich mithelfen sollte, also hat Alaia, die dann mit den anderen beiden nach Legazpi zur fünften Ausscheidung der Bertsolari-Meisterschaft gefahren ist, mich gleich am Platz (der das Ortszentrum darstellt und wo das ganze stattgefunden hat) abgesetzt. Jon, Alaias Bruder, hat gemeint, ich soll Grüße von ihnen ausrichten und dass sie leider nicht kommen können, darauf Arkaitz: "Ja, wir sind nicht für die baskische Sprache."

Meine Aufgabe bestand dann darin, für die Verlosung am Ende Zettel zu schneiden und mit Zahlen zu beschriften (294 Zetteln sind dabei rausgekommen ...) und denen, die fertig gelaufen waren (0-8 Jahre eine Runde, 8-10 Jahre zwei Runden, 10-12 Jahre drei Runden und 13-16 Jahre fünf Runden), Süßigkeitentütchen auszuteilen ... und zwischendrin immer Auskunft geben: "Wo muss man die Kinder anmelden?" (das war die häufigste Frage, dabei musste man sie einfach gar nicht anmelden), "Wenn wir zehn Jahre alt sind, müssen wir dann zwei oder drei Runden laufen?" (auf meine Antwort "Wie ihr wollt", meinten sie sofort: "Dann zwei.") "Wozu sind die Zettel da?" ...

Hier noch ein paar Fotos von der Veranstaltung:

Die Kleinen bevors losgeht




Die Großen mussten nach jeder Runde einen Finger in Farbe tauchen, das war die Attraktion schlechthin ... die beiden, die auf die Farben aufgepasst haben (heißen zufällig beide Beñat xD) konnten sich kaum vor kleinen Kindern retten, die auch Farbe an den Fingern haben wollten ...


Montag, 7. Oktober 2013

Arbeit, Freizeit und Protest in der dritten Woche

Letzte Woche habe ich die bis jetzt beste Aufgabe bekommen: In einigen teilnehmenden Bäckereien in der Region findet nämlich Ende Oktober eine Verlosung statt ... wer sein Brot auf Baskisch kauft, nimmt daran teil, und zu gewinnen gibt es einen Monat lang Brot kostenlos. Dafür mussten die Schachteln, in die die Lose dann reinkommen sollen, gebastelt werden. Die Schachteln selber mussten nur noch zusammengesetzt werden, aber beklebt werden sollten sie oben mit dem Plakat von der Verlosung und seitlich mit dem Bild von den Loszetteln - nur dass auf den Loszetteln ein Feld ist, wo man Name und Adresse einträgt, und dort auf der Schachtel natürlich besser das Datum von der Verlosung stehen sollte. Zusätzlich haben Bakartxo und ich dann festgestellt, dass man das Plakat nicht so wie geplant auf die Schachtel kleben kann, weil man sie sonst nicht mehr aufmachen kann. Und die falsche Größe hatte beides sowieso.
Also hab ich mich daran gemacht, das ganze mit spanischsprachigem (!) Photoshop (ich kannte obendrein bis dahin nur Photopaint) entsprechend zu verändern (unter anderem musste ich die Schrift auf dem Plakat woandershin versetzen). Zu meinem Glück sind sich Photoshop und Photopaint aber sehr ähnlich und außer wie man ein Element vergößert oder verkleinert habe ich tatsächlich alles gefunden.
Dann musste das alles noch an die anderen Zuständigen in der Region geschickt werden, ob sie das so gut finden, und als am nächsten Tag dann feststand, dass sie es gut finden (nachdem Bakartxo ihnen erst noch hinterhertelefonieren musste), konnte ich mich an die restliche Arbeit machen - Schachteln zusammensetzen, oben Schlitz rein für die Zettel und bekleben.

Der Turmbau zu Babel (später hab ich noch die
Loszettel obendrauf gestapelt)
Ane: "Darf ich ihn umschmeißen?"
Axun: "Nicht solange hier Kaffe rumsteht!"

Und später, als eine der Lehrerinnen von AEK reingeguckt und den Turm bewundert hat, Kommentar von Axun: "Sie ist Deutsche, die haben Erfahrung im Mauern bauen." :D

Das fertige Werk 1

Das fertige Werk 2
Am Mittwoch hab ich dann wieder Werbung nach Sprachen sortiert und am Donnerstag und Freitag Plakate für das Bierfest nächste Woche gemalt, auf denen Sprüche und Dialoge im hiesigen Dialekt stehen.

So viel zur Arbeit, kommen wir zu meiner Freizeitgestaltung letzte Woche:
Am Montag bin ich mit Haizea, die ein Jahr jünger ist als ich, mit dem Fahrrad zu den Minen gefahren, was sehr nett war.
Am Dienstag bin ich eigentlich mit dem Vorhaben, Geld abzuheben und Obst zu kaufen, ins Zentrum gegangen, hab aber auf dem Weg Alazne und Olatz in einem (dem beliebtesten) Café sitzen gesehen und bin also auf dem Rückweg bei ihnen vorbei. Olatz meinte: "Wir gehen gleich, aber so lange kannst du dich ja zu uns setzen." Das war um halb sechs ... und um halb acht war ich es dann, die gegangen ist :D In der Zwischenzeit haben wir unter anderem Seiko urria, eine hiesige Version von Elfer raus, gespielt und da ich gewonnen habe, müssen die anderen beiden mir nächstes mal ein Getränk ausgeben.
Am Mittwoch bin ich nach Hendaia gefahren, um endlich meine Carte de Réduction Jeune abzuholen und Haizea war so lieb mich zu begleiten. Ich war überrascht, wie gut ich es geschafft habe, Französisch zu reden (zumal ich ja zwischendrin mit Haizea immer Baskisch geredet habe), und jetzt hab ich sie endlich, die Carte Jeune! Da wir die S-Bahn nach Oiartzun gerade verpasst hatten und eine halbe Stunde auf die nächste warten mussten, sind wir noch ein bisschen rumgelaufen, aber da der Bahnhof offensichtlich im hässlichsten und tristesten Teil von Hendaia liegt, sind wir bald wieder zurück gegangen und haben am Bahnhof dann einen jungen Mann getroffen, der nach Iruñea wollte und dem gesagt worden war, dass er dafür in Irun in den Bus umsteige müsse - Haizea wusste allerdings nur von einem Bus von Donostia (wo die S-Bahn auch hinfährt) aus. Der Typ war Franzose, Haizea hatte seit über einem Jahr kein Französisch mehr und ich hatte mein Französisch zwar noch parater, kenn mich aber dafür hier nicht aus ... also hat Haizea Französisch mit Spanisch gemischt geredet und hin und wieder mich nach einem Wort gefragt und ich hab ausgeholfen, wenn Haizea den Mann nicht verstanden hat, aber ich schon ... und am Schluss waren meine Gedanken in einer Mischung aus Baskisch und Französisch ...
Danach war ich noch mit Haizea auf der asanblada und danach völlig fertig ...

Ja, die asanblada, das muss ich jetzt noch erklären. Am Montag ist nämlich was passiert: Die Guardia Civil, die paramilitärische spanische Polizei, hat in Gasteiz, Bilbo, Iruñea und Hernani Razzien in den Büros der Organisation Herrira durchgeführt und 18 Personen verhaftet, außerdem sollen die Konten blockiert und die Webseiten und Facebook- und Twitterkonten geschlossen werden (die Facebookseite ist noch da, die Webseite ist schon weg ...). Den Verhafteten wird vorgeworfen, den Terrorismus zu verherrlichen und zur ETA zu gehören, beziehungsweise sie zu finanzieren.
Herrira bedeutet "ins Land" oder "nach Hause" und die Organisation setzt sich für die Rechte der baskischen politischen Gefangenen ein, gerade vor dem Hintergrund des Endes des bewaffneten Kampfs von Seiten der ETA. Ihre Hauptforderungen sind, die Verstreuung der Gefangenen auf den gesamten Spanischen und Französischen Staat zu beenden (daher der Name) und Sonderregelungen wie die sogenannte Parot-Doktrin, die vielen ETA-Mitgliedern eine Haftverkürzung unmöglich macht, abzuschaffen.
Es ist das erste Mal, seit die ETA vor knapp zwei Jahren den bewaffneten Kampf beendet hat, dass wieder so gegen eine zivile Organisation vorgegangen wird.
Um dagegen zu protestieren, wurden die ganze Woche über Kundgebungen und ähnliches veranstaltet, in Oiartzun war eben am Mittwoch die asanblada (in der Theorie eine Versammlung aller, die kommen wollen, in der besprochen wird, was jetzt getan werden soll; in der Praxis hat eine Person (ich glaube von der hiesigen Herrira-Gruppe) Vorschläge unterbreitet und das wars) und am Freitag mittags eine kurze Kundgebung und abends eine Menschenkette (bei der ich aber nicht war, weil es so arg geregnet hat ...) ... und am Samstag dann, wie immer, wenn so etwas passiert, eine nationale Demo in Bilbo. Aus Oiartzun sind vier Busse hingefahren und insgesamt waren es wohl ungefähr 65.000 Teilnehmer.

Mein Versuch, die Demo zu fotografieren ...
... und weil der Versuch nicht sehr erfolgreich war,
hier noch eins von der Presse ;)
Dazu ein kleiner Artikel in der jungen Welt (nicht von mir, aber trotzdem gut :P)

Montag, 30. September 2013

Bertsolaritza

Da gestern die Meisterschaft angefangen hat, erkläre ich jetzt mal, was man eigentlich unter Bertsolaritza versteht. Das Wort, das es wahrscheinlich am besten trifft, ist Improvisationsdichtung. Dem/der Bertsolari wird ein Thema und ein Versmaß vorgegeben (manchmal auch nur ein Thema) oder zwei erste Zeilen (puntu) und damit muss er/sie dann eine bestimmte Anzahl Verse dichten. Oft wird das auch paarweise gemacht, sodass sich zwei abwechseln. Die Verse werden gesungen; wie sich das anhört, kann man unten anhören. Ein Vers hat meistens acht oder zehn Zeilen mit vier oder fünf Reimwörtern (oinak, wörtlich "Füße"). Innerhalb von einem Vers müssen sich alle Reimwörter aufeinander reimen, das Reimschema ist also abcbdbeb...
Die Bertsolaritza ist ein sehr wichtiger Bestandteil der baskischen Kultur und ausgesprochen verbreitet und beliebt (zu meinem Pech, siehe ausverkaufte Karten).

Alle vier Jahre findet die baskenlandweite Bertsolari-Meisterschaft statt und dieses Jahr ist zum ersten Mal meine Mitbewohnerin dabei ... entsprechend war sie die Woche über auch nicht immer ganz ansprechbar ;)
Gestern war die erste Gruppe der Ausscheidungsrunde dran, in der meine Mitbewohnerin, ihr Bruder und vier weitere Bertsolari waren. Da ich keine Karte mehr gekriegt hab, musste ich das ganze leider im Internet gucken ...
Um euch eine Vorstellung zu geben, hier die Aufgaben und Themen, soweit ich sie noch zusammenkrieg:
1. Zu zweit, zu einem gegeben Thema je drei Verse im Zortziko Handi (eines der häufigsten Versmaße). Thema für Alaia Martin (meine Mitbewohnerin) und Odei Barroso: Ihr seid zwei ältere Leute, die, da es im Ort zurzeit zahlreiche Einbrüche gibt, beschließen zusammenzuziehen. (Odei ist dann übrigens gleich im zweiten Vers darauf zu sprechen gekommen, dass die größten Diebe doch die Banken sind ;) )
Thema für Fredi Paia und Iker Zubeldia: Ihr seid zwei saharauische Kinder, die, nachdem sie die Sommerferien im Baskenland verbracht haben, am Flughafen sitzen, um wieder zurück zu fliegen.
Thema für Nerea Elustondo und Jon Martin: Ihr seid zwei Arbeiter, deren Firma in der Krise ist und die euch deshalb vor die Frage stellt, entweder den Lohn zu kürzen oder Arbeiter rauszuwerfen.
2. Zu zweit, zu einem gegeben Thema je drei Verse im Zortziko Txiki. Themen: Du, Odei, wurdest in die Jury bei einem Käsewettbewerb berufen, weil du ein bekannter Sportler bist. Du, Fredi, ein Schäfer, der Käse herstellt, beobachtest das mit Misstrauen.
Ihr sitzt im Zug zufällig nebeneinander. Du, Iker, bist sofort eingeschlafen und mit dem Kopf auf Nereas Schulter wieder aufgewacht.
Ihr seid gekommen, um ein Fußballspiel eurer Tochter anzusehen. Dir, Jon, ist es peinlich, dass Alaia sie die ganze Zeit laut anfeuert.
3. Einzeln, den ersten puntu (also die ersten zwei Zeilen mit dem Reimwort am Ende) gegeben drei Verse im Zortziko Txiki. Da weiß ich nur noch grob die Themen bei ein paar Leuten: Alaia: gesund essen. Odei: Liebe. Iker: Sport
4. Zu zweit, zu einem gegebenen Thema je drei Verse im Hamarreko Txiki. Themen: Obwohl du, Alaia, schon seit einem Jahr geschieden bist, hängt im Haus von Iker, deinem Vater, immer noch euer Hochzeitsfoto.
Ihr habt Schmuck von eurer Großmutter geerbt. Du, Odei, willst alles verkaufen; du, Nerea, dagegen nicht.
Ihr seid ein frischverliebtes Paar. Du, Fredi, bemerkst, dass Jon immer, wenn du ihn in der Öffentlichkeit küssen willst, zurückweicht.
5. Eine sogenannten kartzelako lana, "Gefängnisarbeit", das bedeutet, jede(r) Bertsolari hat das gleiche Thema und deshalb müssen alle irgendwo hinter die Bühne gehen und kommen der Reihe nach vor, wenn sie dran sind, sodass sie die, die vor ihnen dran sind, nicht hören. Das ganze mit vorgegebenem Thema und frei gewähltem Versmaß. Das Thema: Du bist ungewollt Zeuge/ Zeugin geworden. Was tun?

Am Schluss wurden dann die Bewertungen bekannt gegeben und .... meine Mitbewohnerin ist Zweite!! Mit 653 Punkten, nur einem Punkt weniger als ihr Bruder, der Erster geworden ist. Und im Halbfinale schaff ich es bestimmt, Karten zu kriegen, um sie live zu sehen!

Und um eine Vorstellung davon zu kriegen, wie sich das anhört, hier Alaia Martin und Iker Zubeldia im Hamarreko Txiki: http://www.bertsoa.com/eu/bertsoa-bideoak.asp?s=bideoak&id=3610

Von rechts nach links: Alaia Martin, Odei, Barroso, Fredi Paia, Iker Zubeldia,
Nerea Elustondo und Jon Martin

Sonntag, 29. September 2013

Wie aus zwei Plänen null werden

Theoretisch hatte ich für den heutigen Sonntag sogar die Qual der Wahl, weil es nämlich zwei Möglichkeiten gegeben hätte, was ich unternehmen kann: Erstens die erste Ausscheidung der Bertsolari-Meisterschaft (erklär ich später im nächsten Post), wo meine Mitbewohnerin teilgenommen hat, und zweitens ein Rennen mit ungewöhnlichen Fahrzeugen im Rahmen des Stadtteilfests von Ugaldetxo, wozu mich Haizea eingeladen hatte. Nun gab es was die Meisterschaft angeht schon gleich das Problem, dass sie am Freitag schon ausverkauft war. Mirari hat dann zwar versucht, für mich und Asier noch Karten irgendwo herzukriegen, war aber nicht erfolgreich. Das fand ich zwar schade, aber andererseits habe ich mich auf die Unternehmung mit Haizea gefreut, die ich so haben würde. Dann ist Haizea allerdings krank geworden ... und ich stand letzendlich ohne Plan für den Sonntag da.
Also musste ich mir selbst was suchen ... und hab auch was gefunden. Zwei Minuten von hier verläuft ein sehr langer sogenannter Bidegorri ... das ist ein Weg für Fußgänger und Fahrradfahrer, wahrscheinlich gibt es da auch ein deutsches Wort dafür, aber das fällt mir jetzt nicht ein xD Jedenfalls bin ich den ein Stück entlang gelaufen und habe Fotos gemacht ... die ich euch nicht vorenthalten werde.
Und um 17.30 war ich dann wieder zurück, um die Meisterschaft live im Internet zu sehen ... aber dazu im nächsten Post mehr.

Ein Medusabaum? xD
Dieser Tunnel ist zwar ziemlich kurz, aber sobald man drin ist, hört man von
draußen keinen Ton mehr, nur noch seine eigenen Schritte ... schon leicht gruselig

Samstag, 28. September 2013

Heimweh und Perspektiven

Ich muss zugeben, dass ich doch heftig von Heimweh geplagt werde ... morgens ist es ganz schlimm, mittags wird es meistens besser und abends ist es immer weg ...
Wahrscheinlich ist das ganz normal, aber schön ist es trotzdem nicht ... ich vermisse mein Familie, meine Freunde, mein Haus, aber auch die Leichtigkeit, mit der man in seiner Muttersprache reden kann ... Smalltalk machen, einfach mal einen spontanen Kommentar abgeben ... Man fühlt sich einfach irgendwie gehandicapt in einer anderen Sprache.
Was es nicht leichter macht, ist, dass ich im Büro (noch) nicht wirklich etwas zu tun habe ...

Allerdings gibt es auch schon gute Entwicklungen ... vor allem der Kurs, den ich im Eintrag vorher schon erwähnt habe. Den habe ich jetzt die ganze Woche über besucht, jeden Tag drei Stunden, und das hat mir auf jeden Fall gut getan ... ich hatte erstens endlich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, und habe mich zweitens gleich integriert gefühlt.
Außerdem trifft der Kurs ziemlich gut mein Niveau ... mit dem Sprechen tu ich mich zwar noch deutlich schwerer, aber was die Grammatik- und Wortschatzübungen angeht hab ich keinerlei Probleme. Wie ich schon erwähnt habe, die anderen können zwar mündlich viel besser Baskisch (ein paar sind ja sogar Muttersprachler), aber Hochbaskisch kann ich besser. Das hat in den paar Tagen schon dazu geführt, dass ich zu einer Art Autorität geworden bin, und alle mich fragen und mir glauben, wenn sie nicht wissen, wie was auf Hochbaskisch richtig heißt ... was natürlich sehr lustig ist.
Die größten Probleme bereitet immer das Verb: eigentlich gibt es vier Kategorien, nor ("wer", intransitiv), nor-nori ("wer-wem", intransitiv mit Dativ), nor-nork ("wer-wen", transitiv) und nor-nori-nork ("wer-wen-wem", transitiv mit Dativ). In dem Dialekt von Oiartzun werden allerdings aus irgendeinem Grund von vielen Leuten die nor-nori-Formen so gut wie gar nicht und die nor-nori-nork-Formen wenig verwendet, stattdessen nimmt man die nor-nork-Form, also zum Beispiel statt "iruditzen zait" (es scheint mir, nor-nori) "iruditzen nau" (also wörtlich "es scheint mich") ...
Das Wissen, dass man das auf Hochbaskisch nicht so sagt, sorgt dann natürlich für Verwirrung, in welchen Fällen man jetzt was verwendet ... und so lautet die häufigste Frage: "Nola da, iruditzen zait, iruditzen nau, iruditzen dit? Prestatzen gaituzte, prestatzen digute?" Und wenn dann entgegen besseren Wissens doch wieder jemand "iruditzen/ gustatzen/ ... nau" sagt, sorgt das jedes mal für Gelächter, genauso wenn jemand in einem normalen Gespräch dann extra betont "zait" sagt ... das ganze ist schon eine Art Running Gag.
Allerdings verwenden manche Leute (zumindest Saioa) auch sehr eigenwillige nor-nori-Formen, die es wahrscheinlich nur hier gibt (und die selbst hier nicht alle kennen) ... das führt dann zu Fragen wie: "Natzizki? Was ist das denn?!"
Außerdem verwirrt Manoli immer Saioa, wenn sie anfängt von transitiv, intransitiv oder Adverbien zu reden, was auch jedes Mal lustig ist ... Und dann gibt es natürlich noch das Problem mit dem H, das nämlich im (Süd-) Baskischen nicht gesprochen wird: "Was, urrun ("weit weg") schreibt man ohne H? Aber hurbil ("nah") mit H? Warum schreibt man hurbil mit H und urrun ohne?"

Dass ich jetzt in der Gegenwart von meinem Kurs erzählt hab, ist wohl Wunschdenken ... der Kurs ist nämlich seit vorgestern zu Ende. Nächste Woche fangen die eigentlichen Kurse von diesem Schuljahr an und ich werde an einem teilnehmen, aber ob der so nett und unterhaltsam ist wie der jetzige ...


Heute war ich zum ersten mal allein in Donostia, der nächsten großen Stadt, und bin zum ersten Mal Bus gefahren ... nachdem ich seit Mittwoch eindlich eine aufgeladene Buskarte habe. Das war nämlich gar nicht so einfach: letzte Woche Freitag ist Ane mit mir in den Schreibwarenladen gegangen, um die Karte zu besorgen, und uns wurde gesagt, dass die gerade ausgegangen seien. Also sind wir am Montag noch mal hin, die Karten waren wider Erwarten tatsächlich schon da, dafür war aber das Gerät um Geld darauf zu laden kaputt ... Da man die Karte auch an einem dafür eingerichteten Bankautomat aufladen kann, sind wir also dorthin gegangen, der Automat hat jedoch meine Kreditkarte nicht akzepiert .... jeder andere Automat schon, nur dieser nicht. Der Bankmitarbeiter konnte uns auch nicht helfen. In der Hoffnung, es hätte sich vielleicht nur um eine vorrübergehende Laune des Automats gehandelt, habe ich es am Dienstag noch mal versucht, sowohl mit der Kreditkarte als auch mit der EC-Karte ... mit dem einzigen Erfolg, dass der Automat beim zweiten Versuch meine Kreditkare gefressen hat. Da die Bank schon zu war, musste ich also am nächsten Morgen zuerst mal in die Bank, um meine Kreditkarte wiederzukriegen, was zum Glück ohne weiteres geklappt hat. Danach bin ich noch mal ins Schreibwarengeschäft, wo das Gerät zum Aufladen inzwischen wieder funktioniert hat ... und ich meine Karte endlich aufladen konnte.
Heute bin ich dann also mit dem Bus nach Donostia gefahren, was ohne Probleme geklappt hat (ich weiß zwar nicht, warum es Probleme hätte geben sollen, aber man ist vorher doch immer etwas nervös) und auch super billig ist ... 0,88€ pro Fahrt. Nur hab ich leider meine Kamera nicht mitgenommen, sodass es nur zwei mickrige Handyfotos vom Meer gibt ...


Mittwoch, 25. September 2013

Ende der ersten Woche und Anfang der zweiten

Eigentlich wollte ich ja spätestens am Sonntag einen neuen Eintrag schreiben, aber irgendwie ist da nichts draus geworden ...
Jetzt wird es halt vielleicht ein etwas unschärferer Bericht ;)

Morgens bin ich seit Donnerstag immer im Büro, wo ich zwar bis jetzt meistens nicht das Gefühl habe, wirklich etwas Sinnvolles zu tun, aber na ja, das wird vielleicht noch. Zweimal gab es immerhin was zu tun für mich: am Donnerstag habe ich die gesamte Werbung, die ein Mitglied der Organisation das letzte Jahr über bekommen und gesammelt hat, nach Sprache sortiert: Baskisch, Spanisch, vollständig zweisprachig, mehr Baskisch als Spanisch (das existiert allerdings nicht) oder mehr Spanisch als Baskisch. Damit wird dann eine Statistik aufgestellt und diejenigen, deren Werbung spanisch oder mehr spanisch als baskisch ist, angeregt, das zu ändern, und ihnen Übersetzungen angeboten. Am Montag habe ich bei Anes Projekt mitgeholfen: sie macht Interviews mit alten Leuten aus dem Ort, mit dem Ziel, einerseits ihren Dialekt und anderseits ihre Erinnerungen und das Leben früher und so weiter zu dokumentieren. Diese Interviews werden gefilmt und transkribiert und mit dieser Transkription werden die Videos dann untertitelt ... Und das habe ich dann gemacht, die Untertitel hinzugefügt (und mithilfe der Untertitel sogar ein bisschen verstanden, was die da so erzählen xD).
Ansonsten ist es bis jetzt eher so, dass sie mir zeigen, was sie so machen und selber nicht richtig wissen, was ich tun kann ...

Am Donnerstagabend war ich beim Treffen von Euskal Herrian Euskaraz, einer baskenlandweiten Organisation, die allgemein für die Normalisierung der baskischen Sprache kämpft. Da es das erste Treffen nach der Sommerpause war, wurden erst mal ein paar allgemeine Sachen besprochen, um sich wieder einen Überblick zu verschaffen, und noch nichts Konkretes geplant. Nach dem Treffen waren wir noch was trinken ... oder genauer gesagt einen sogenannten pintxopote machen. Pintxo sind kleine Sachen zu essen, ein bisschen wie die spanischen Tapas, und bei so einem Pintxopote wird eben was getrunken und dazu ein Pintxo gegessen ... und dabei belässt man es nicht bei einer Bar, sondern geht nachdem Pintxo und Getränk gegessen und getrunken sind weiter in die nächste.

Der Freitagnachmittag war bis jetzt am besten ... eigentlich war es ein Treffen mit den drei von Kuadrillategi (siehe hier), Aitzol, Aiora und Alazne, aber da das Projekt noch nicht angefangen hat, sind wir einfach nach Donostia gefahren und waren dort ein bisschen shoppen. Mit den drei war es einfach total nett ... und ich habe die Erfahrung gemacht, was für eine entspannende Wirkung es haben kann, Kaugummi zu kauen, wenn es darum geht mit fremden Leuten in einer fremden Sprache zu kommunizieren ...
Am Schluss hatte Aiora natürlich das Parkhausticket verloren, aber das war zum Glück kein großes Problem.

Am Samstag war ich mit meinem Mitbewohner in Aloze, einem kleinen Ort in der Provinz Zuberoa, wo ein Fest der dortigen Ikastola (spezielles baskisches Schulmodell) stattgefunden hat. Weil die Ikastola unter anderem auch von der Stadt Oiartzun unterstützt wird, ist von hier etxra ein Bus hingefahren. Der Ausflug ging den ganzen Tag, um 9 Uhr morgend ist der Bus losgefahren und um 9 Uhr abends zurückgekommen ... danach war ich fertig. Aber das Fest war nett, der dortige Dialekt ist wunderschön (auch wenn man ihn kaum versteht, aber zum Glück haben die Leute mit uns Hochbaskisch geredet) und außerdem habe ich die beiden süßen kleinen Kinder von Bakartxo (die im Büro arbeitet) kennenglernt, Kattalin und Manex.

Am Sonntag hatte ich nichts zu tun, aber weil es tolles Wetter war, hab ich mich nachmittags zwei Stunden in den Park gesetzt und gelesen. Meine kleine Hoffnung, dass vielleicht jemand vorbeikommen könnte, den ich kenne, hat sich zwar nicht bewahrheitet, aber es war auf jeden Fall besser, als daheim rumzusitzen.

Am Montagnachmittag habe ich Alazne bei der Vorstellung von Kuadrillategi bei den Siebt- und Achtklässlern der Ikastola begleitet. Danach war ich noch mit ihr und einer Freundin von ihr, Saioa, was trinken (Latte Macchiato mit Eiswürfeln, weil es wirklich warm war) und weil die beiden danach noch Vorbereitungskurs für die Prüfung für das C1-Baskischzertifikat hatten und ich nichts zu tun, haben sie mich einfach mitgenommen. Der Kurs war dann richtig cool, total nette Leute, die zwar eigentlich natürlich viel besser Baskisch können als ich (mindestens drei sind Muttersprachler) ... aber ich kann besser Hochbaskisch :D Der Kurs hat mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, die ganze Woche über hinzugehen (er ist jeden Tag, hört allerdings diese Woche auf) ... aber dazu im nächsten Eintrag mehr.

Mittwoch, 18. September 2013

Die ersten Arbeitstage

Mein Programm für die erste Woche sieht so aus, dass ich jeden Tag bei einer anderen Gruppe bin, um erst mal einen Überblick zu kriegen.

Am Montag war zuerst einmal das Büro von der Organisation dran, wo Ane, Bakartxo und Axun an drei Projekten arbeiten: erstens Oiartzuarren Baitan, ein Projekt zur Dokumentation und Stärkung des örtlichen Dialekts (Ane) und zweitens und drittens je ein Projekt zur Förderung des Baskischen in Handel und Gastronomie (Bakartxo) und in Vereinen und Organisationen (Axun), also Übersetzungen anbieten und so weiter.
Asier und Mirari haben mich hingebracht, dann hat mir erst mal Ane alles gezeigt und mir noch mal ausführlich erklärt, was die Organisation alles macht. Was gerade anstand war die Anmeldung für Baskischkurse, wozu Informationen verschickt werden mussten, und zwar, da die Kampagne von Ttur-ttur und der Stadt zusammen geführt wird, in Umschlägen mit dem Stadtwappen drauf. Also bin ich mit Axun rüber ins Rathaus (das grad nebendran ist), um diese Umschläge und den Stadtstempel (mit dem die Briefe unterzeichnet werden mussten) abzuholen, wo sie mich bei der Gelegenheit auch gleich Goiatz vorgestellt hat, die bei der Stadtverwaltung für Kommunikation zuständig ist ...
Die Hauptarbeit bestand dann darin, die Infozettel zu falten ... vier verschiedene (für zwei verschiedene Arten von Kursen und jeweils auf Baskisch und auf Spanisch) und von jeder Sorte ein dicker Stapel. Also saßen wir den Vormittag über zu viert da und haben diese Zettel gefaltet, wobei man sich immerhin gut unterhalten konnte. Es hat sich herausgestellt, dass Bakartxo vor einiger Zeit mal in Deutschland einen Sprachkurs gemacht hat, sie kann zwar wohl nicht mehr viel, aber sie erinnert sich noch an den ersten Satz, den sie gelernt haben: "Ich bin Ausländerin und verstehe kein Deutsch." Warum auch mit was Einfacherem anfangen ...
Heim sollte ich dann eigentlich alleine laufen (Asier hatte mir am Sonntag extra noch den Weg gezeigt), aber dann haben Ane und ich, kaum dass wir vor der Tür waren, Olaia, eine Freundin meiner Mitbewohnerin getroffen, die mich heimgefahren hat.
Nachmittags hatte Ane ein Treffen wegen ihrem Projekt, zu dem sie mich mitgenommen hat (mit dem Auto abgeholt und wieder heimgebracht, sodass ich wieder nicht gelaufen bin - was in dem Fall aber auch ganz sinnvoll war, weil es nämlich geregnet hat xD). Das Treffen war interessant, obwohl natürlich auch einige Insidersachen besprochen wurden, zu denen mir natürlich das Vorwissen gefehlt hat.

Am Dienstag war ich dann bei AEK, der baskenlandweiten Organisation für Baskischunterricht für Erwachsene, die ihre Räume im gleichen Haus hat (und bin alleine hingelaufen ;) ). Dort gibt es im Moment noch nicht viel zu tun, weil die Kurse noch nicht angefangen haben ... die einzige Arbeit ist zurzeit, Anmeldungen entgegenzunehmen und ein bisschen Werbung zu machen. Theoretisch hätte es Plakate aufzuhängen gegeben, aber da es die ganze Zeit geregnet hat, musste das verschoben werden. Stattdessen haben die vier AEK-Lehrerinnen mich ein bisschen ausgefragt und mir dann ihr ganzes Unterrichtsmaterial gezeigt (oder genauer gesagt nur das für Fortgeschrittene, aber das war schon genug). Eine von ihnen, Saioa, hat mich mittags mit dem Auto mitgenommen, weil sie ihre Tante besucht hat, die im gleichen Stadtteil wohnt wie ich (also wieder nicht gelaufen), und nachmittags hat Alaia, meine Mitbewohnerin, mich auf dem Weg nach, ich glaube, Donostia mitgenommen ...
Nachmittags war überhaupt nichts zu tun, nur Olatz hatte schon einen Kurs, und eine (deren Namen ich irgendwie nicht weiß^^) musste eben im Büro sitzen, falls jemand anruft oder vorbeikommt. Allerdings gab es dort eine aktuelle Zeitung (die neuste bei uns in der Wohnung ist nämlich vom Samstag, weil seither keiner mehr eine gekauft hat), die ich dann eben gelesen habe. Heim bin ich ausnahmsweise mal wieder gelaufen.

Heute war das Radio dran und ich wurde wieder abgeholt ... weil es Mirari einfacher vorkam, mich abzuholen, als mir den Weg genau zu beschreiben.
Auch wenn mir mehrmals angedroht wurde, dass sie mich irgendwann interviewen würden, haben sie mich heute in Ruhe gelassen ... auch wenn Urtzi die morgendliche Sendung mit "Guten Morgen" (auf Deutsch) angefangen hat, und Alazne daraufhin erwähnt hat, "wir haben heute Silvie neben uns, von der wir noch eine Weile was mitkriegen werden", allerdings ohne das irgendwie weiter auszuführen :D
Ich habe Alazne zugehört, wie sie Aitziber von Antxeta Irratia, einem anderen freien Radio in Hendaia, und Mirari interviewt hat zu Amapola Morea ("lila Klatschmohn"), einer neuen Sendung über kreative, schaffende Frauen, die die beiden Radios in Zusammenarbeit ab morgen senden werden (hier das Interview, falls es jemand hören will ;) ); versucht Mirari zu helfen, von ihrem spanischsprachigen gmail-Konto aus E-Mails als BCC zu verschicken (wir haben irgendwann herausgefunden, dass das auf Spanisch aus irgendeinem Grund CCO heißt), ihr außerdem gesagt, wie man die Uhrzeit auf Hochbaskisch richtig schreibt (8:00etan und nicht 8:00tan) xD, den drei bei ihrer Sendung zugehört ... Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht, weil sie alle sehr nett und lustig sind.
Ich hab sogar ein T-Shirt und einen Kapuzenpullover von dem Radio geschenkt bekommen (Fotos kommen morgen).
Heimgefahren hat mich diesmal Urtzi, der mit Alazne noch irgendjemand in der Nähe besuchen wollte ...
Nachmittags hatte ich nichts zu tun und habe ein bisschen den Ort erkundet (diesmal hat mich niemand gefahren ^^).

Von mir bis nach Elizalde, dem Zentrum, wo sich sowohl das Büro von Ttur-ttur als auch das Radio befinden, ist es nicht weit, es geht allerdings mindestens die Hälfte des Wegs bergauf ... "Oiartzunen dena aldapa da" hab ich bis jetzt von so gut wie jedem gehört, mit dem ich unterwegs war (und zwar immer im gleichen Wortlaut), "In Oiartzun ist alles Abhang." Deswegen sagt man auch, man geht "hoch" ins Zentrum und "runter" nach Altzibar (der Stadtteil, wo ich wohne).

Sonntag, 15. September 2013

Angekommen :)

Gestern Abend bin ich angekommen ... nach einer Reise, die nicht ganz ohne Komplikationen verlaufen ist ...

Bis Paris war alles super. Dort hatte ich dann anderthalb Stunden zum Umsteigen, musste aber noch meine Carte Jeune, die ich im Internet gekauft hatte, am Automat abholen und mit der Metro von Paris Est nach Paris Montparnasse kommen. Das mit der Carte Jeune hat natürlich nicht funktioniert, also hab ich mich am Schalter angestellt, wo aber eine wahnsinnige Schlange war, sodass ich nach zehn Minuten oder so (als ich noch eine Dreiviertelstunde hatte, bis mein nächster Zug abfährt) beschlossen habe, erst nach Montparnasse zu fahren.
Wo es zur Metro geht war zwar nicht auf den ersten Blick sichtbar, aber noch gut zu finden, Ticket kaufen war euch kein Problem, aber dann hatte ich erst mal Schwierigkeiten, die richtige Metro zu finden, weil ich die Information hatte, dass ich mit der M4 nach Porte d'Orléans fahren muss, Porte d'Orléans aber inzwischen nicht mehr die Endstation von dieser Linie ist, sondern Montrouge und ich demnach nicht wusste, welche jetzt meine Metro ist (weil ich nicht in der Lage war, den Plan an der Wand zu bemerken, ja, das auch^^).
Nachdem mir da jemand weitergeholfen hatte, war das nächste Problem, dass in Paris Est mindestens zwei Treppen zur Metro führen und in Paris Montparnasse noch mal mindestens dreimal so viele, außerdem ist der Weg von der Metro zu den Zügen dort so weit, dass sie eigentlich schon allein dafür einen Shuttle einführen müssten ... und ich hatte einen sehr schweren Trolley und einen sehr schweren Rucksack, womit mir zwar immer wieder Leute geholfen haben, aber nicht immer  ... Jedenfalls bin ich exakt dann bei den Gleisen angekommen, als mein Zug abgefahren ist. Ich hab also meine Mutter angerufen, wie ich jetzt nach Hendaia komme und sie hat für mich nachgeguckt. Es gab noch genau eine Verbindung, bei der ich allerdings zweimal umsteigen musste ... zuerst mit dem TGV nach Bordeaux, dann mit dem TER (so ein Regionalzug) nach Dax und von dort mit noch einem TER nach Hendaia.
Um meine Fahrkarte umzutauschen, hatte ich keine Zeit mehr, weil der TGV nach Bordeaux schon dastand (okay, vielleicht hätte ich sogar noch Zeit gehabt, aber ich wollte es nicht riskieren), also habe ich beschlossen, mit meiner Paris-Hendaia-Fahrkarte zu fahren und mich notfalls dumm zu stellen (auch wegen der nicht abgeholten Carte Jeune). Als der Schaffner dann kam, hab ich dann gesagt, dass ich den Zug verpasst hab und das mit der Carte Jeune nicht funktioniert, das ging ein bisschen hin und her und was er am Schluss gesagt hat, hab ich nicht so ganz verstanden, aber offenbar musste ich nicht unmittelbar eine neue Fahrkarte kaufen ... später ist mir dann aufgegangen, dass er mir vermutlich einfach nur gesagt hat, wie ich jetzt nach Hendaia komm, und das mit der Fahrkarte gar kein Problem war :D
Und dann also zweimal mit meinem ganzen Gepäck umsteigen, was einen schon rein psychologisch in Eile versetzt, sogar wenn man noch acht Minuten hat, bis der Zug abfährt und nur zum Gleis nebendran muss ...
Der TER nach Dax hatte dann noch die Macke, dass er die Haltestellen meistens erst dann durchgesagt hat, wenn man schon quasi im Bahnhof war ... manchmal aber auch schon vorher (wie glücklicherweise bei Dax) ...
Zum Glück hatte er eine sogenannte "correspondance" mit dem TER von Dax nach Hendaia, das heißt, der hat in Dax gewartet.

So saß ich dann schließlich endlich im Zug nach Hendaia, überraschenderweise plötzlich mit lauter Deutschen um mich rum ... von denen drei Jungs der Meinung waren, Hendaia sei in Spanien ... (Hendaia ist im Baskenland, aber wenn schon im Französischen Staat).

Meine ganzen Fahrkarten etc.

Um 21.20 Uhr war ich dann endlich in Hendaia, wo ich von Asier, meinem einen Mitbewohner, und Mirari, einer Freundin von ihm, die bei der Organisation, wo ich den Freiwilligendienst mach, arbeitet (beim Radio genauer gesagt), abgeholt und nach Oiartzun gebracht wurde. Dort haben wir dann abendgegessen (Tortilla) und ein bisschen ferngesehen ...

Heute morgen hab ich dann auch Alaia, meine Mitbewohnerin, kennen gelernt, die gestern erst heimgekommen ist, als ich schon im Bett lag (und heute morgen auch erst mal in Eile war, weil sie einen Auftritt in Donostia hatte ... sie ist Bertsolari, was das ist, erklär ich wann anders ;) ).
Vor dem Mittagessen waren wir, meine beiden Mitbewohner, Mirari und ich, noch die nähste Umgebung angucken und was trinken und nachmittags sind wir dann ins Zentrum des Ortes gegangen (das relativ nah ist), wo wir noch mal was trinken waren und ich einigen Leuten vorgestellt wurde ... Mit dabei war diesmal auch Aintzane, die so alt ist wie ich und gerade angefangen hat, Baskische Philologie zu studieren, was ich ja auch vorhab.

Ich bin schon wieder ziemlich fertig (schon seit dem Nachmittag), den ganze Tag Baskisch reden und verstehen müssen ist schon anstrengend ... Aber es klappt ganz gut, wenn die Leute mit mir reden, versteh ich eigentlich alles, wenn sie untereinander reden ist es schon wesentlich schwieriger (schneller und eher Dialekt und so weiter) ... Aber sie sind alle super super nett und kümmern sich ganz lieb um mich :)

Morgen fang ich an zu arbeiten, bin mal gespannt ...

Freitag, 13. September 2013

Morgen ...

Morgen gehts jetzt also los ... und wenn ich das tatsächlich wirklich realisiert hätte, wäre ich wahrscheinlich noch deutlich aufgeregter als ich bin ...

Trotz der nicht so tollen Rahmenbedingungen (meine Kontaktperson bei der Entsendeorganisation könnte ich grad killen, was die Spenden angeht, habe ich erst von drei Leuten Unterstützung zugesagt gekriegt, überhaupt ist es ein grenzenlos ungerechter Unfug, dass man bei einem sowieso schon staatlich geförderten Freiwilligendienst Anspruch auf Kindergeld hat und bei einem nicht geförderten nicht ... außerdem habe ich grad den Eindruck, dass irgendeine höhere Macht - vielleicht der Geist von Franco oder Carrero Blanco oder so - alles versucht, um mir einen Strich durch die Rechnung zu machen), freue ich mich sehr darauf ... die Leute dort scheinen auf jeden Fall alle sehr nett zu sein.

Heute habe ich mich noch mit einigen guten Freunden getroffen (länger als beabsichtigt, weil ich noch noch einiges zu tun hatte, aber das wars wert ;) ) und mich verabschiedet ... und morgen fahre ich dann um zwanzig vor zehn mit dem ICE in Mannheim los, steige dann in Paris (wo ich noch meine Carte de Réduction Jeune kaufen muss und echt hoffe, dass da alles klappt ...) in den TGV nach Hendaia um (wofür ich aber erst mit der Métro von der Gare de l'Est zur Gare Montparnasse fahren muss ...). In Hendaia werde ich dann von einem meiner Mitbewohner und einer von meiner Einsatzstelle abgeholt, die dann mit mir abendessen wollen.

Mittwoch, 4. September 2013

Die Aufregung wächst

So, jetzt sind es tatsächlich nur noch eineinhalb Wochen, bis es losgeht ... und auch wenn ich das noch weder wirklich realisiert habe, noch so richtig glauben kann, wächst die Aufregung doch stetig.
Ich bin jetzt damit beschäftigt, mit meiner Entsendeorganisation einerseits und mit der Organisation dort andererseits die letzten Dinge zu regeln, meine Zugverbindung rauszusuchen, beziehungsweise herauszufinden welche Ermäßigungen ich kriegen kann (lohnt sich die Jugend BahnCard, wenn sie nur gilt, bis ich neunzehn werde? Lohnt sich die normale BahnCard? Wann kriege ich eine ermäßigte? Die französische Carte de Réduction Jeune lohnt sich, aber kann ich die auch außerhalb von Frankreich kriegen?), Listen zu schreiben, was ich mitnehme, meinen zukünftigen Mitbewohnern eine E-Mail zu schreiben, um sie schon mal ein bisschen kennen zu lernen ...
Außerdem konnte ich jetzt endlich den Aufbau meines Spenderkreises in Angriff nehmen und auch hier in meinem Blog die Seite "Spenden" aktualisieren ... ab jetzt kann also gespendet werden! ;) Da ich pro Monat 650€ aufbringen muss, wäre ich sehr dankbar für zahlreiche Spenden (am liebsten natürlich großzügige, aber auch eine kleine Spende hilft schon weiter).

Freitag, 16. August 2013

Wenigstens eine gute Nachricht

Nein, meine Einsatzstelle wurde nicht doch noch anerkannt, aber meine Entsendeorganisation hat mir gerade gesagt, dass ich das ganze auch als ungeregelten Freiwilligendienst über sie laufen lassen kann ... so bekomme ich eventuell weiter Kindergeld und muss mich nicht selber um die Organisation kümmern. Das ist doch immerhin schon mal was :)

Mittwoch, 14. August 2013

Jetzt ist es also endgültig

Nachdem ich auch als die Frau von der Entsedeorganisation letzten Donnerstag angeblich wieder im Büro war trotzdem keine Auskunft bekommen habe und die Situation langsam kafkaesk wurde, hat sie mir gestern schließlich geschrieben: Leider habe es mit dem Einspruch nicht geklappt (heißt das, sie hat die Frist nicht mehr eingehalten oder der Einspruch wurde abgelehnt?), ob ich vielleicht Interesse an einem anderen Freiwilligendienst im Ausland hätte ... Ja, auf jeden Fall! Ich hab das ganze Theater mit der Suche nach einer Einsatzstelle (siehe hier) ja auch nicht gemacht, weil ich genau ins Baskenland will, sondern einfach weil ich grad nichts Besseres zu tun hatte ...

Jetzt ist es also endgültig. Ich hatte ja schon nicht mehr wirklich mit etwas anderem gerechnet, aber es dann tatsächlich zu wissen, war dann doch noch mal etwas anderes ... Und ich muss schon sagen, dass ich mich von der Entsendeorganisation nicht gerade professionell begleitet gefühlt habe - ich mein, ich musste die Frau sogar aufklären, wann die Frist abläuft ... Ich war eigentlich davon asugegangen, dass die sich um alles kümmern, zumal ich da ja selber nichts tun konnte, aber tatsächlich haben die quasi überhaupt nichts gemacht ...

Jetzt muss ich mich selber um alles kümmern. Ich hab die Frau von der Entsendeorganisation gefragt, was denn bei der Organisation von so einem Freiwilligendienst noch beachtet werden muss, ich hoff mal, sie antwortet mir bald ... Aber das größte Problem ist jetzt natürlich der finanzielle Aspekt, weil ich jetzt ohne Zuschuss und ohne Kindergeld mehr als das Doppelte an Geld aufbringen muss ...